Das Wichtigste in Kürze
- In der EU sind Einlagen bis 100.000 € pro Kunde und Bank gesetzlich geschützt – zuständig ist aber die Sicherung im Land der Bank.
- Zinsportale vermitteln Tages- und Festgeld bei Partnerbanken in ganz Europa; das Geld liegt dann bei der jeweiligen Partnerbank.
- Ausländische Banken führen keine deutsche Abgeltungsteuer ab: Die Zinsen gehören in die Steuererklärung, eine Quellensteuer im Ausland ist möglich.
Wer Tagesgeldangebote vergleicht, stößt schnell auf Banken mit Sitz in Frankreich, Italien, den Niederlanden oder anderen EU-Ländern. Ihre Zinsen liegen teils über denen deutscher Banken. Bevor du dein Geld dorthin überweist, solltest du drei Fragen klären: Wer sichert das Geld ab? Wie kommt es dorthin und zurück? Und wie werden die Zinsen versteuert?
Dieser Ratgeber beantwortet die drei Fragen der Reihe nach. Zum Schluss findest du eine Checkliste für die Auswahl.
Einlagensicherung: gleicher Betrag, nationale Töpfe
Die Einlagensicherung ist in der EU einheitlich geregelt. In jedem Mitgliedsland sind Einlagen bis 100.000 € pro Kunde und Bank gesetzlich geschützt. Bei Gemeinschaftskonten gilt der Betrag für jede Kontoinhaberin und jeden Kontoinhaber. Im Entschädigungsfall muss das Geld innerhalb von sieben Arbeitstagen ausgezahlt werden.
Zuständig ist allerdings das Sicherungssystem des Landes, in dem die Bank ihren Sitz hat. Legst du Geld bei einer französischen Bank an, zahlt im Ernstfall die französische Einlagensicherung. Das gilt auch, wenn die Bank eine Niederlassung in Deutschland hat oder dir das Angebot auf Deutsch präsentiert.
Die gesetzliche Grenze ist überall dieselbe. Wie gut ein Sicherungssystem im Ernstfall funktioniert, hängt aber auch davon ab, wie gut es ausgestattet ist und wie stark der Staat dahinter ist. Viele Anlegerinnen und Anleger schauen deshalb auf die Bonitätsnote, also das Rating, des Landes.
Viele private Banken in Deutschland gehören zusätzlich dem freiwilligen Einlagensicherungsfonds ihres Verbands an, der teils deutlich mehr als 100.000 € schützt. Einen Rechtsanspruch auf diese Leistungen gibt es aber nicht. Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken sichern sich über eigene Institutssicherungen ab, die vor allem verhindern sollen, dass ein Mitgliedsinstitut überhaupt zahlungsunfähig wird. Mehr zu den Grundlagen steht im Ratgeber Wie sicher ist mein Geld beim Broker?.
Zinsportale: Wie das Modell funktioniert
Ein Konto direkt bei einer Bank im Ausland zu eröffnen, ist oft mühsam: eigene Identifizierung, Formulare, manchmal Unterlagen in der Landessprache. Zinsportale vereinfachen das. Du eröffnest einmal ein Konto beim Portal bzw. bei dessen Partnerbank in Deutschland. Über dieses Konto kannst du Tages- und Festgeldangebote vieler Banken in Europa nutzen, ohne dich jedes Mal neu zu identifizieren.
Wichtig ist, wo das Geld dann liegt: Es wird an die jeweilige Partnerbank überwiesen und ist dort eine ganz normale Einlage. Für die Einlagensicherung zählt deshalb die Partnerbank und ihr Land, nicht das Portal. Für Sparerinnen und Sparer sind solche Portale meist kostenlos, weil die Banken für die Vermittlung zahlen.
Vorteile: ein Zugang für viele Angebote, gebündelte Unterlagen, oft Unterstützung bei Steuerformularen.
Nachteile: Du bekommst nur die Angebote, die das Portal führt. Auszahlungen laufen über das Portalkonto und können einige Tage dauern. Und die Konditionen beim Portal können von denen abweichen, die die Bank direkt anbietet.
Steuern auf Zinsen aus dem Ausland
In Deutschland unterliegen Zinsen der Abgeltungsteuer. Bei inländischen Banken läuft das automatisch: Die Bank behält die Steuer ein und berücksichtigt deinen Freistellungsauftrag. Banken im Ausland tun das in der Regel nicht.
Das hat drei Folgen:
- Steuererklärung: Du gibst die Zinsen selbst in der Anlage KAP an. Das Finanzamt berechnet dann die Steuer und berücksichtigt den Sparerpauschbetrag von 1.000 € im Jahr bzw. 2.000 € bei Zusammenveranlagung.
- Kein Freistellungsauftrag: Ein Freistellungsauftrag ist nur bei Instituten in Deutschland möglich. Den Freibetrag bekommst du trotzdem, eben über die Steuererklärung.
- Quellensteuer: Manche Länder behalten auf Zinsen eine eigene Steuer ein. Je nach Land und Abkommen kannst du sie erstatten lassen oder in Deutschland anrechnen. Zinsportale helfen dabei oft mit Formularen.
Manche Angebote über Zinsportale sehen vor, dass die Steuer direkt in Deutschland abgeführt wird. Ob das so ist, steht in den Angebotsunterlagen. Grundlagen zu Abgeltungsteuer und Freistellungsauftrag erklärt der Ratgeber Steuern beim Investieren.
Checkliste: Darauf solltest du achten
- Land und Sicherungssystem: Wo sitzt die Bank, und welche Einlagensicherung ist zuständig?
- Rating des Landes: Wie kreditwürdig ist der Staat, der hinter dem Sicherungssystem steht?
- Währung: Wird im Ernstfall in Euro entschädigt?
- 100.000 € je Bank: Hast du bei derselben Bank schon andere Guthaben, auch über ein Portal?
- Verfügbarkeit: Wie schnell kommst du an dein Geld?
- Steuern: Musst du die Zinsen selbst erklären, und fällt Quellensteuer an?
- Echtheit des Angebots: Ist die Bank bei der Aufsicht registriert?
Im Tagesgeld-Vergleich siehst du bei jedem Angebot, welche Einlagensicherung gilt. Der Filter „Deutsche Einlagensicherung“ blendet Angebote aus, bei denen das Geld im Ausland liegt.
Fazit
Tagesgeld bei Banken im EU-Ausland ist nicht per se riskanter als bei deutschen Banken. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt überall 100.000 € pro Kunde und Bank. Zuständig ist aber das Land der Bank, und Ausstattung, Wirtschaftskraft und Währung können im Ernstfall eine Rolle spielen. Zinsportale machen den Zugang bequem, ändern an dieser Logik aber nichts.
Rechne außerdem den Aufwand ein: Zinsen aus dem Ausland musst du meist selbst in der Steuererklärung angeben. Wenn dir ein höherer Zins das wert ist und du die Grenzen der Einlagensicherung im Blick behältst, ist eine Auslandsbank eine legitime Option.
Häufige Fragen
Muss ich für Tagesgeld im Ausland ein Konto im Ausland eröffnen?
Bei einer direkten Anlage ja, mit Identifizierung und Unterlagen der jeweiligen Bank. Über ein Zinsportal reicht meist ein Konto beim Portal bzw. bei dessen deutscher Partnerbank; die Anlage bei der Bank im Ausland läuft darüber.
Wie schnell bekomme ich mein Geld zurück?
Bei Tagesgeld über ein Zinsportal läuft die Auszahlung meist über das Konto beim Portal und kann einige Bankarbeitstage dauern. Die genaue Dauer steht in den Produktinformationen. Für einen Notgroschen, den du sofort brauchen könntest, ist ein Konto mit direkter Überweisung oft praktischer.
Ist die Einlagensicherung im Ausland schlechter als in Deutschland?
Der gesetzliche Schutz ist in der EU gleich hoch: 100.000 € pro Kunde und Bank, ausgezahlt innerhalb von sieben Arbeitstagen. Unterschiede gibt es bei der Ausstattung der Sicherungssysteme und bei der wirtschaftlichen Stärke des Landes, die im Ernstfall eine Rolle spielen kann.
Begriffe aus diesem Artikel
- Einlagensicherung
- Gesetzlicher Schutz von Bankguthaben bis 100.000 € pro Kunde und Bank, falls eine Bank in der EU insolvent wird.
- Abgeltungsteuer
- Pauschale Steuer von 25 % auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne, zuzüglich Solidaritätszuschlag.
- Quellensteuer
- Steuer, die ein Staat direkt an der Quelle auf Dividenden oder Zinsen einbehält, bevor sie ausgezahlt werden.
- Freistellungsauftrag
- Auftrag an deine Bank, Kapitalerträge bis zu einem festgelegten Betrag ohne Steuerabzug auszuzahlen.
- Sparerpauschbetrag
- Jährlicher Freibetrag für Kapitalerträge: 1.000 € für Ledige, 2.000 € für zusammenveranlagte Paare.
- Banklizenz
- Erlaubnis der Aufsicht, Bankgeschäfte wie das Einlagen- oder Depotgeschäft zu betreiben.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.