Das Wichtigste in Kürze
- Die Kosten eines ETF-Sparplans setzen sich aus Fondskosten (TER) und Handelskosten beim Broker zusammen.
- Bei kleinen Raten fallen feste Ausführungsgebühren stark ins Gewicht, bei großen Depots eher die laufenden Fondskosten.
- Die Tracking Difference zeigt, was ein ETF tatsächlich kostet – sie kann besser oder schlechter als die TER ausfallen.
Ein ETF-Sparplan gilt als einer der günstigsten Wege, langfristig Vermögen aufzubauen. Das stimmt meistens – aber „günstig“ heißt nicht „kostenlos“. Neben der bekannten Fondskostenquote gibt es weitere Posten, die auf den ersten Blick nicht auffallen: Gebühren pro Ausführung, die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs oder Entgelte von Handelsplätzen.
In diesem Ratgeber gehen wir alle Kostenarten der Reihe nach durch. Du erfährst, welche davon du direkt siehst, welche versteckt sind und wie du sie in einem einfachen Rechenbeispiel zusammenzählst.
Die zwei Kostenebenen: Fonds und Broker
Bevor es ins Detail geht, hilft eine einfache Unterscheidung. Die Kosten eines Sparplans entstehen an zwei Stellen:
- Im ETF selbst: Der Fondsanbieter zieht laufende Kosten direkt aus dem Fondsvermögen ab. Du bekommst dafür keine Rechnung – sie mindern still den Kurs.
- Beim Broker bzw. der Depotbank: Hier fallen Gebühren für die Ausführung des Kaufs, für die Verwahrung und gegebenenfalls für den Handelsplatz an.
Beide Ebenen musst du zusammen betrachten. Ein ETF mit sehr niedriger Kostenquote bringt wenig, wenn der Broker pro Rate eine hohe Gebühr verlangt – und umgekehrt.
Die Kostenarten im Einzelnen
TER: die laufenden Fondskosten
Die Total Expense Ratio (TER) gibt an, wie viel Prozent des Fondsvermögens jährlich für Verwaltung, Lizenzgebühren für den Index und weitere laufende Posten anfallen. Bei breit gestreuten Indexfonds liegt sie typischerweise zwischen etwa 0,05 % und 0,3 % pro Jahr, bei Nischen- oder Themen-ETFs oft höher.
Die TER wird anteilig über das Jahr aus dem Fondsvermögen entnommen. Wichtig: Sie wächst mit deinem Depot mit. Bei 12.000 € Depotwert kosten 0,2 % TER rund 24 € im Jahr, bei 0,5 % TER wären es schon 60 €.
Ausführungsgebühr pro Sparplanrate
Jede Sparplanrate ist technisch ein Kauf. Dafür verlangen Broker unterschiedliche Modelle:
- Kostenlose Ausführung: Bei vielen Neobrokern und einigen Onlinebrokern kosten Sparplanausführungen nichts, zumindest für ausgewählte ETFs.
- Prozentuale Gebühr: Ein Anteil der Rate, oft im niedrigen einstelligen Prozentbereich, teils mit Mindestgebühr.
- Festbetrag: Ein fester Euro-Betrag pro Ausführung, unabhängig von der Höhe der Rate.
Gerade bei kleinen Raten ist der Unterschied enorm. Welche Modelle die einzelnen Anbieter aktuell nutzen, siehst du im ETF-Sparplan-Vergleich.
Spread: die Differenz zwischen Kauf und Verkauf
Der Spread ist der Unterschied zwischen dem Kurs, zu dem du kaufst (Briefkurs), und dem Kurs, zu dem du verkaufst (Geldkurs). Diese Differenz taucht auf keiner Abrechnung als Gebühr auf, sie ist aber ein echter Kostenfaktor.
Bei großen, liquiden ETFs ist der Spread zu normalen Handelszeiten meist klein. Bei exotischen ETFs, außerhalb der Haupthandelszeiten oder in unruhigen Marktphasen kann er deutlich größer ausfallen. Manche Broker finanzieren sich zum Teil über Rückvergütungen von Handelspartnern, was sich auf die Kursqualität auswirken kann – mehr dazu im Ratgeber zu Payment for Order Flow.
Depotgebühr
Für die Verwahrung deiner Wertpapiere verlangen manche Banken eine Depotgebühr, als Pauschale oder als Prozentsatz des Depotwerts. Bei den meisten Online- und Neobrokern ist die Depotführung heute kostenlos, teilweise an Bedingungen geknüpft. Bei Filialbanken kann eine jährliche Gebühr anfallen, die bei kleinen Depots spürbar ist.
Fremdspesen und Handelsplatzentgelte
Fremdspesen sind Gebühren, die nicht dein Broker selbst erhebt, sondern Dritte – etwa die Börse oder ein Handelsplatz. Bei Sparplänen über einen außerbörslichen Handelspartner fallen sie häufig nicht an. Werden Sparpläne über eine Börse wie Xetra ausgeführt, können zusätzliche Entgelte entstehen. Ein Blick ins Preis- und Leistungsverzeichnis lohnt sich.
Tracking Difference: die tatsächlichen Kosten
Die Tracking Difference misst, wie stark die Wertentwicklung eines ETFs über ein Jahr von seinem Index abweicht. Sie ist die ehrlichste Kostenkennzahl, weil sie alles einschließt: die TER, Transaktionskosten im Fonds, aber auch Erträge, etwa aus Wertpapierleihe oder einer effizienten Steuerstruktur.
Deshalb kann ein ETF mit etwas höherer TER in der Praxis besser abschneiden als einer mit niedrigerer TER. Die Tracking Difference schwankt allerdings von Jahr zu Jahr. Aussagekräftig ist ein Blick über mehrere Jahre.
Übersicht: Wer erhebt welche Kosten?
| Kostenart | Wer erhebt sie? | Wann fällt sie an? | Sichtbar auf der Abrechnung? |
|---|---|---|---|
| TER | Fondsanbieter | laufend, anteilig im Jahr | nein, mindert den Fondskurs |
| Ausführungsgebühr | Broker | bei jeder Sparplanrate | ja |
| Spread | Handelsplatz/Market Maker | bei jedem Kauf und Verkauf | nein, steckt im Kurs |
| Depotgebühr | Depotbank | jährlich oder quartalsweise | ja |
| Fremdspesen | Börse/Dritte | je Ausführung, je nach Handelsplatz | ja |
| Tracking Difference | ergibt sich aus der Fondsverwaltung | laufend | nein, nur im Vergleich mit dem Index |
Rechenbeispiel: 100 € im Monat
Angenommen, du sparst 100 € pro Monat in einen ETF mit 0,2 % TER. Im ersten Jahr zahlst du also 1.200 € ein. Wir vergleichen zwei Kostenmodelle: Modell A mit kostenloser Ausführung, Modell B mit 1,5 % Gebühr pro Rate. Für den Spread nehmen wir pauschal 0,1 % an. Kursschwankungen lassen wir zur Vereinfachung weg.
Weil du monatlich einzahlst, liegt im ersten Jahr im Schnitt nicht 1.200 €, sondern etwa 650 € im Depot. Auf diesen Durchschnittsbestand wirkt die TER.
| Kostenart (Jahr 1) | Modell A | Modell B |
|---|---|---|
| Ausführungsgebühr | 0,00 € | 18,00 € (1,5 % von 1.200 €) |
| Spread (Annahme 0,1 %) | 1,20 € | 1,20 € |
| TER 0,2 % auf ca. 650 € | 1,30 € | 1,30 € |
| Depotgebühr | 0,00 € | 0,00 € |
| Summe | 3,50 € | 20,50 € |
| Anteil an den Einzahlungen | ca. 0,3 % | ca. 1,7 % |
Im ersten Jahr dominiert also klar die Ausführungsgebühr. Das verschiebt sich mit der Zeit: Die Ausführungsgebühr bleibt an die neuen Einzahlungen gekoppelt, die TER dagegen wirkt auf das gesamte, wachsende Depot. Nach einigen Jahren werden die laufenden Fondskosten zum größeren Posten.
Deine eigenen Zahlen kannst du mit dem Kostenrechner für verschiedene Anbieter durchspielen. Wie stark sich Kostenunterschiede über Jahrzehnte auf das Endvermögen auswirken, zeigt der Kosteneffekt-Rechner.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
Für eine realistische Kostenbetrachtung helfen ein paar Fragen:
- Wie hoch ist deine Rate? Bei kleinen Raten zählt vor allem eine niedrige oder gar keine Ausführungsgebühr.
- Wie groß wird dein Depot? Bei hohen Beträgen über lange Zeit wiegt jede Zehntelprozent TER schwerer.
- Ist dein Wunsch-ETF sparplanfähig? Kostenlose Sparpläne gelten oft nur für eine Auswahl von ETFs.
- Gibt es eine Depotgebühr oder Bedingungen? Manche Angebote sind nur bei Aktivität oder bestimmten Einstellungen kostenlos.
- Wie wird ausgeführt? Über welchen Handelsplatz läuft der Sparplan, und fallen dort Entgelte an?
Eine strukturierte Liste weiterer Kriterien findest du in der Broker-Checkliste. Wie wir Anbieter vergleichen und bewerten, erklären wir transparent in unserer Methodik.
Fazit
Ein ETF-Sparplan ist in der Regel kostengünstig, aber nicht kostenlos. Die TER ist nur ein Teil des Bildes: Ausführungsgebühr, Spread, Depotgebühr und Fremdspesen kommen hinzu, und die Tracking Difference zeigt, was ein ETF tatsächlich kostet. Bei kleinen Raten entscheidet vor allem die Gebühr pro Ausführung, bei großen und langfristigen Depots eher die laufenden Fondskosten.
Wenn du alle Posten kennst, kannst du Angebote fair vergleichen – und musst dich nicht auf das Etikett „kostenlos“ verlassen.
Begriffe aus diesem Artikel
- TER (Total Expense Ratio)
- Laufende jährliche Gesamtkosten eines Fonds oder ETFs in Prozent des Fondsvermögens.
- Sparplan
- Regelmäßige, automatische Investition eines festen Betrags in ETFs, Fonds, Aktien oder Kryptowährungen.
- Spread (Geld-Brief-Spanne)
- Differenz zwischen Kaufkurs (Brief) und Verkaufskurs (Geld) eines Wertpapiers.
- Tracking Difference
- Abweichung zwischen der Rendite eines ETFs und der Rendite seines Index über einen bestimmten Zeitraum.
- Depotgebühr
- Gebühr für die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren im Depot.
- Fremdspesen
- Zusätzliche Kosten von Dritten bei einer Order, etwa Börsenentgelte oder Maklercourtage.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.