Das Wichtigste in Kürze
- Bei PFOF zahlt ein Handelspartner dem Broker eine Vergütung dafür, dass er ihm die Orders seiner Kunden zuleitet.
- Die EU verbietet PFOF mit der überarbeiteten MiFIR. Die deutsche Übergangsfrist endete am 30. Juni 2026.
- Viele Neobroker haben ihre Preismodelle angepasst – prüfe die aktuellen Gebühren, Spreads und Handelsplätze.
Wie kann ein Broker Wertpapierorders für eine sehr kleine Pauschale ausführen und trotzdem Geld verdienen? Eine wichtige Antwort lautete jahrelang: Payment for Order Flow, kurz PFOF. Dabei bekam der Broker nicht nur Geld von seinen Kunden, sondern auch von dem Handelspartner, an den er die Orders weiterleitete.
Mit diesem Modell ist in Deutschland seit dem 1. Juli 2026 Schluss. Die EU hat PFOF verboten, eine Übergangsfrist für Deutschland ist ausgelaufen. In diesem Ratgeber erklären wir, wie PFOF funktioniert hat, warum es umstritten war und was sich für dich als Anlegerin oder Anleger geändert hat.
Was ist Payment for Order Flow?
Bei PFOF zahlt ein Handelsplatz oder ein Market Maker dem Broker eine Vergütung dafür, dass dieser ihm die Kundenorders zuleitet. Der Ablauf sah vereinfacht so aus:
- Du gibst in der App eine Kauforder für einen ETF auf.
- Der Broker leitet die Order an einen bestimmten Handelspartner weiter, meist einen Market Maker.
- Der Market Maker führt die Order gegen seinen eigenen Bestand aus. Er verdient am Spread, also an der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
- Für den Orderfluss zahlt der Market Maker dem Broker eine Rückvergütung.
Für dich war diese Zahlung unsichtbar. Du hast nur die Ordergebühr und den Ausführungskurs gesehen.
Warum war PFOF umstritten?
Kritiker sahen vor allem einen Interessenkonflikt. Broker sind verpflichtet, Orders so auszuführen, dass für den Kunden das bestmögliche Ergebnis erzielt wird. Bei PFOF hat der Broker jedoch einen finanziellen Anreiz, Orders an denjenigen weiterzuleiten, der ihm am meisten zahlt – und nicht unbedingt an den Handelsplatz mit dem besten Kurs.
Hinzu kam ein Transparenzproblem: Ein Teil der Kosten steckte im Spread und war für Privatanleger schwer zu erkennen.
Befürworter hielten dagegen, dass die Ausführungsqualität für Privatanleger nicht zwingend schlechter sei. Zudem habe PFOF den günstigen Einstieg ins Wertpapiersparen für viele Menschen erst möglich gemacht.
Was hat die EU geregelt?
Mit der überarbeiteten Finanzmarktverordnung MiFIR, der Verordnung (EU) 2024/791, hat die EU PFOF verboten. Wertpapierfirmen dürfen für die Weiterleitung von Kundenorders keine Zahlungen mehr von Dritten annehmen.
Die Mitgliedstaaten durften für ihren Markt allerdings eine Ausnahme bis zum 30. Juni 2026 erlauben. Deutschland hat diese Möglichkeit genutzt. Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot auch hier.
| Zeitpunkt | Was passiert ist |
|---|---|
| 2024 | Die überarbeitete MiFIR (Verordnung (EU) 2024/791) wird verabschiedet und enthält das PFOF-Verbot. |
| bis 30. Juni 2026 | Übergangsfrist: Deutschland nutzt die Ausnahme, PFOF bleibt hierzulande vorerst erlaubt. |
| ab 1. Juli 2026 | PFOF ist auch in Deutschland verboten. Neobroker müssen ohne diese Rückvergütungen auskommen. |
Wie verdienen Neobroker jetzt Geld?
PFOF war nie die einzige Einnahmequelle. Neobroker finanzieren sich typischerweise über einen Mix aus mehreren Bausteinen. Welche davon ein Anbieter nutzt und wie stark, ist sehr unterschiedlich.
| Einnahmequelle | So funktioniert sie | Woran du sie erkennst |
|---|---|---|
| Ordergebühren | Pauschale oder prozentuale Gebühr pro Trade | Preis- und Leistungsverzeichnis, Orderabrechnung |
| Abo-Modelle | Monatlicher Festpreis, dafür günstigere oder keine Einzelgebühren | Tarifübersicht in der App |
| Zinsmarge | Der Broker gibt Zinsen auf Guthaben nur teilweise weiter | Vergleich von Guthabenzins und Marktzins |
| Zuwendungen von Produktanbietern | Emittenten zahlen für den Vertrieb bestimmter Produkte | Ex-ante-Kosteninformation, Hinweis auf Zuwendungen |
| Aufschläge bei Krypto oder Währungen | Kosten im Kurs oder im Wechselkurs | Kursvergleich, Kostenhinweise |
Was hat sich für dich geändert?
Mit dem Wegfall von PFOF fehlt vielen Neobrokern eine Einnahmequelle. Viele Anbieter haben ihre Preismodelle deshalb angepasst. Das kann zum Beispiel veränderte Ordergebühren, neue oder geänderte Abo-Tarife oder eine andere Auswahl an Handelsplätzen bedeuten. Was genau gilt, unterscheidet sich je nach Anbieter und kann sich weiter ändern.
Prüfe deshalb die aktuellen Konditionen deines Brokers und vergleiche sie mit Alternativen im Broker-Vergleich. Anbieter informieren in der Regel vorab über Preisänderungen, etwa per E-Mail oder Mitteilung in der App.
Wichtig: Auch ohne PFOF verdienen Market Maker weiterhin am Spread. Der Spread bleibt also ein Kostenfaktor, den du im Blick behalten solltest.
So prüfst du deine Kosten nach der Umstellung
Eine niedrige Ordergebühr allein sagt wenig über deine tatsächlichen Kosten aus. Mit diesen Schritten bekommst du ein realistisches Bild:
- Preisverzeichnis lesen: Welche Gebühren gelten aktuell für Orders, Sparpläne und Fremdspesen?
- Kosteninformation nutzen: Nach MiFID II muss dir der Broker vor jeder Order eine Ex-ante-Kosteninformation zeigen. Sie listet alle erwarteten Kosten auf, auch Zuwendungen.
- Spread vergleichen: Schau dir vor dem Kauf Geld- und Briefkurs an und vergleiche sie mit einem Referenzhandelsplatz wie Xetra während der Haupthandelszeit.
- Tarif durchrechnen: Ob sich ein Abo lohnt, hängt davon ab, wie oft du handelst. Mit dem Broker-Kostenrechner kannst du verschiedene Tarife für dein Profil vergleichen.
- Sparpläne prüfen: Haben sich Ausführungskosten oder die Auswahl sparplanfähiger Produkte geändert?
Was bleibt gleich?
Nicht alles hat sich mit dem Verbot geändert. Einige wichtige Regeln gelten unverändert weiter:
- Bestmögliche Ausführung: Broker müssen Ausführungsgrundsätze festlegen und Orders so ausführen, dass für dich das bestmögliche Ergebnis erzielt wird. Diese Grundsätze kannst du beim Anbieter nachlesen.
- Außerbörslicher Handel: Der Handel mit einem Market Maker bleibt erlaubt. Verboten ist nur die Zahlung an den Broker für die Weiterleitung deiner Orders.
- Kostentransparenz: Die Pflicht zur Ex-ante-Kosteninformation besteht weiter.
- Sicherheit deines Depots: Änderungen am Geschäftsmodell berühren nicht den Schutz deiner Wertpapiere. Sie bleiben Sondervermögen, mehr dazu in Wie sicher ist mein Geld beim Broker?.
Ist ein Wechsel sinnvoll?
Haben sich die Konditionen deines Brokers deutlich verschlechtert, kann ein Wechsel eine Option sein. Wichtig ist der Gesamtvergleich: Kosten, Handelsplätze, Sparplanangebot und Service. Unsere Broker-Checkliste hilft dir, Anbieter systematisch zu bewerten.
Fazit
Payment for Order Flow war über Jahre ein zentraler Baustein im Geschäftsmodell vieler Neobroker. Mit dem EU-weiten Verbot und dem Ende der deutschen Übergangsfrist am 30. Juni 2026 ist diese Einnahmequelle weggefallen. Viele Anbieter haben ihre Preise und Modelle angepasst. Für dich heißt das: Schau genauer hin, rechne mit deinem eigenen Handelsverhalten und achte neben der Ordergebühr auch auf Spreads, Abo-Kosten und Sparplankonditionen.
Begriffe aus diesem Artikel
- Payment for Order Flow (PFOF)
- Rückvergütung, die ein Broker von einem Handelspartner für die Weiterleitung von Kundenorders erhält.
- Market Maker
- Handelsteilnehmer, der fortlaufend verbindliche Kauf- und Verkaufskurse für Wertpapiere stellt.
- Spread (Geld-Brief-Spanne)
- Differenz zwischen Kaufkurs (Brief) und Verkaufskurs (Geld) eines Wertpapiers.
- Handelsplatz
- Ort oder System, über das eine Wertpapierorder ausgeführt wird – etwa eine Börse oder ein außerbörslicher Handelspartner.
- MiFID II
- EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, die seit 2018 Wertpapierhandel und Anlegerschutz regelt.
- Ordergebühr
- Gebühr, die ein Broker für die Ausführung eines Kauf- oder Verkaufsauftrags berechnet.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.