Das Wichtigste in Kürze
- Neobroker sind app-zentriert und meist günstig, bieten aber oft weniger Handelsplätze und schlankeren Service.
- Online-Broker und Direktbanken bieten große Auswahl und viele Börsenplätze, teils zu höheren Ordergebühren.
- Filialbanken punkten mit persönlicher Beratung, sind aber meist deutlich teurer – die Beratung zahlst du mit.
Wer ein Depot eröffnen will, hat die Wahl zwischen drei Typen von Anbietern: Neobrokern, die fast alles über eine App abwickeln, klassischen Online-Brokern und Direktbanken sowie Filialbanken mit Beratung vor Ort. Alle drei verwahren deine Wertpapiere und führen deine Orders aus. Doch bei Kosten, Auswahl und Service unterscheiden sie sich deutlich.
In diesem Ratgeber stellen wir die drei Typen vor, vergleichen sie in einer Übersicht und zeigen, für wen sich welches Modell eignet. Eine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter geben wir nicht – entscheidend ist, was zu deinem Anlageverhalten passt.
Die drei Typen im Überblick
Neobroker
Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital sind auf das Smartphone ausgerichtet. Kontoeröffnung, Handel und Sparpläne laufen meist vollständig über die App, teils ergänzt um eine Weboberfläche. Ihr Geschäftsmodell basiert auf schlanken Prozessen und hoher Automatisierung.
Typisch für Neobroker:
- keine Depotgebühr, niedrige pauschale Ordergebühren oder Abo-Modelle mit Flatrate
- große Auswahl an Sparplänen, oft schon ab kleinen Raten und mit Bruchstücken
- eine begrenzte Zahl an Handelsplätzen, häufig außerbörslich mit einem Market Maker als Handelspartner
- Service vor allem per Chat oder E-Mail
Lange Zeit finanzierten sich viele Neobroker auch über Rückvergütungen von Handelspartnern. Diese Praxis ist in Deutschland seit Juli 2026 nicht mehr erlaubt, nachdem eine EU-Übergangsfrist ausgelaufen ist. Was das für dich bedeutet, erklären wir im Ratgeber zu Payment for Order Flow.
Online-Broker und Direktbanken
Online-Broker und Direktbanken wie comdirect, ING oder Consorsbank gibt es schon deutlich länger. Sie bieten Depots meist zusammen mit Giro- und Tagesgeldkonten an und sind über Website und App erreichbar.
Typisch für Online-Broker:
- Zugang zu vielen Börsen, darunter Xetra und Regionalbörsen, sowie zum außerbörslichen Direkthandel mit mehreren Partnern
- breite Auswahl an Aktien, ETFs, aktiven Fonds, Anleihen und Derivaten
- umfangreiche Ordertypen und Analysewerkzeuge
- Ordergebühren häufig höher als bei Neobrokern, oft mit wechselnden Aktionsangeboten
- Support auch per Telefon
Filialbanken
Sparkassen, Volksbanken und andere Filialbanken bieten Depots mit persönlicher Betreuung an. Du hast eine Ansprechperson, kannst Beratungstermine vereinbaren und Aufträge auch in der Filiale erteilen.
Typisch für Filialbanken:
- persönliche Anlageberatung vor Ort
- häufig Depotgebühren und vergleichsweise hohe Ordergebühren
- bei Fondskäufen über die Beratung oft ein Ausgabeaufschlag
- die Bank erhält für bestimmte Produkte Zuwendungen, also Provisionen der Produktanbieter
Viele Filialbanken haben inzwischen auch günstigere Online-Depots im Angebot. Dann entfällt allerdings meist die Beratung.
Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Neobroker | Online-Broker / Direktbank | Filialbank |
|---|---|---|---|
| Zugang | App, teils Web | Web und App | Filiale, Online-Banking, App |
| Depotgebühr | typischerweise keine | meist keine, teils an Bedingungen geknüpft | häufig ja |
| Ordergebühren | niedrig, teils Flatrate | mittel | eher hoch |
| Handelsplätze | wenige, oft außerbörslich | viele Börsen und Direkthandel | viele, Abwicklung über die Bank |
| Sparpläne | große Auswahl, oft niedrige Kosten | große Auswahl, Kosten variieren | kleinere Auswahl, teils mit Ausgabeaufschlag |
| Beratung | keine | in der Regel keine | persönliche Beratung |
| Support | Chat, E-Mail, teils Telefon | Telefon, Chat, E-Mail | persönlich und telefonisch |
Die Tabelle beschreibt typische Muster. Im Einzelfall gibt es Ausnahmen in beide Richtungen. Konkrete und aktuelle Konditionen findest du in unserem Broker-Vergleich.
Was kostet dich die Wahl über die Jahre?
Unterschiede bei Gebühren wirken auf den ersten Blick klein. Über viele Jahre summieren sie sich jedoch spürbar, weil jeder gezahlte Euro nicht mehr für dich arbeitet.
Wie stark sich Kosten auf das Endvermögen auswirken, kannst du mit dem Kosteneffekt-Rechner selbst durchspielen.
Für wen passt was?
Ein Neobroker passt zu dir, wenn …
- du vor allem per Sparplan in ETFs investierst, auch mit kleinen Beträgen,
- du gern alles über das Smartphone erledigst,
- du keine Beratung brauchst und Kosten niedrig halten willst.
Ein Online-Broker passt zu dir, wenn …
- du Wert auf viele Handelsplätze legst, etwa um gezielt über Xetra zu handeln,
- du eine breite Produktauswahl inklusive Anleihen oder aktiver Fonds nutzen willst,
- du gern am Desktop arbeitest oder Girokonto und Depot bei einer Bank bündeln möchtest.
Eine Filialbank passt zu dir, wenn …
- du persönliche Beratung tatsächlich nutzt und bereit bist, dafür zu zahlen,
- dir eine feste Ansprechperson wichtig ist,
- du mit Online-Banking wenig anfangen kannst.
So triffst du deine Entscheidung
Statt dich von Werbeaktionen leiten zu lassen, hilft ein nüchterner Blick auf dein eigenes Verhalten:
- Anlageverhalten klären: Sparst du regelmäßig per Sparplan, kaufst du gelegentlich Einzelwerte oder handelst du häufig?
- Kosten durchrechnen: Setze deine realistische Zahl an Orders und Sparplanausführungen pro Jahr an und vergleiche die Gesamtkosten, nicht nur einzelne Gebühren.
- Angebot prüfen: Sind die ETFs, Aktien oder Fonds, die du nutzen willst, verfügbar – und an welchen Handelsplätzen?
- Service ehrlich bewerten: Brauchst du wirklich eine Filiale oder Telefon-Support, oder reicht dir ein Chat?
Wenn du dir unsicher bist, welcher Typ zu deinen Antworten passt, gibt dir unser Plattform-Finder eine erste Orientierung.
Muss es nur ein Depot sein?
Nein. Viele Anlegerinnen und Anleger kombinieren zwei Anbieter, etwa einen Neobroker für günstige ETF-Sparpläne und einen Online-Broker für Einzelorders an mehreren Börsen. Das ist ohne Weiteres möglich. Achte dann nur darauf, deinen Freistellungsauftrag sinnvoll aufzuteilen.
Bei der Sicherheit gibt es übrigens keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen den drei Typen: Wertpapiere sind überall als Sondervermögen geschützt. Unterschiede gibt es beim Guthaben auf dem Verrechnungskonto, je nachdem, ob der Anbieter eine eigene Banklizenz hat oder mit Partnerbanken arbeitet. Mehr dazu in Wie sicher ist mein Geld beim Broker?.
Fazit
Neobroker, Online-Broker und Filialbanken bedienen unterschiedliche Bedürfnisse. Neobroker sind für viele Sparplan-Anleger eine günstige und einfache Lösung. Online-Broker bieten mehr Auswahl und Handelsmöglichkeiten. Filialbanken lohnen sich vor allem, wenn du persönliche Beratung wirklich brauchst und die höheren Kosten bewusst in Kauf nimmst. Überlege dir zuerst, wie du anlegen willst – die Wahl des Anbietertyps ergibt sich daraus oft fast von selbst.
Begriffe aus diesem Artikel
- Handelsplatz
- Ort oder System, über das eine Wertpapierorder ausgeführt wird – etwa eine Börse oder ein außerbörslicher Handelspartner.
- Direkthandel (außerbörslicher Handel)
- Handel von Wertpapieren direkt mit einem Handelspartner statt über eine Börse.
- Market Maker
- Handelsteilnehmer, der fortlaufend verbindliche Kauf- und Verkaufskurse für Wertpapiere stellt.
- Depotgebühr
- Gebühr für die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren im Depot.
- Zuwendungen (Provisionen)
- Zahlungen, die Banken oder Vermittler von Produktanbietern für den Vertrieb von Finanzprodukten erhalten.
- Ausgabeaufschlag
- Einmalige Gebühr beim Kauf von Fondsanteilen über die Fondsgesellschaft, meist in Prozent des Anteilswerts.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.