Das Wichtigste in Kürze
- Ein Kinderdepot läuft auf den Namen des Kindes. Das Geld gehört rechtlich dem Kind und lässt sich nicht zurückholen.
- Das Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag; mit NV-Bescheinigung bleiben Kapitalerträge oft komplett steuerfrei.
- Mit 18 Jahren erhält das Kind die volle Verfügung über das Depot – auch das sollte in die Planung einfließen.
Viele Eltern, Großeltern und Paten möchten früh etwas für die finanzielle Zukunft eines Kindes zurücklegen – für den Führerschein, die Ausbildung oder den Start ins eigene Leben. Ein Sparplan auf breit gestreute ETFs ist dafür ein naheliegender Weg, denn der Anlagehorizont von oft 15 bis 18 Jahren ist lang.
Bevor du loslegst, steht aber eine grundsätzliche Entscheidung an: Soll das Depot auf den Namen des Kindes laufen oder auf deinen eigenen? Beide Varianten haben Vor- und Nachteile – rechtlich, steuerlich und praktisch. Dieser Ratgeber zeigt dir, worauf es ankommt.
Zwei Wege: Kinderdepot oder Eltern-Depot
Beim Kinderdepot (oft auch Junior-Depot genannt) ist das Kind Depotinhaber. Die Eltern verwalten es als gesetzliche Vertreter, bis das Kind volljährig ist. Beim Eltern-Depot legst du das Geld in deinem eigenen Depot an und behältst es gedanklich für dein Kind zurück.
| Kriterium | Kinderdepot | Eltern-Depot |
|---|---|---|
| Wem gehört das Geld? | dem Kind | dir |
| Zugriff für Eltern | nur im Interesse des Kindes | jederzeit frei |
| Verfügung mit 18 | Kind entscheidet allein | du entscheidest, ob und wann du es übergibst |
| Sparerpauschbetrag | eigener des Kindes | deiner wird mitgenutzt |
| Steuern auf Erträge | oft keine dank NV-Bescheinigung | Abgeltungsteuer, sobald dein Pauschbetrag ausgeschöpft ist |
| Auswirkungen auf BAföG, Familienversicherung | möglich | in der Regel keine direkten |
Welche Variante besser passt, hängt davon ab, wie wichtig dir Steuervorteile im Vergleich zu Flexibilität und Kontrolle sind.
Was ein Kinderdepot rechtlich bedeutet
Zahlst du Geld in ein Depot auf den Namen deines Kindes ein, ist das eine Schenkung. Das Vermögen gehört ab diesem Moment dem Kind. Du darfst es als Elternteil zwar verwalten, aber nur im Interesse des Kindes. Für eigene Zwecke zurückholen kannst du es nicht – auch nicht, wenn das Geld später knapp wird.
Bei der Eröffnung müssen in der Regel beide sorgeberechtigten Elternteile zustimmen. Typischerweise brauchst du dafür die Geburtsurkunde und die Steuer-Identifikationsnummer des Kindes sowie die Ausweisdokumente der Eltern. Viele Broker bieten die Eröffnung online an. Allgemeine Schritte zur Kontoeröffnung findest du im Ratgeber Depot eröffnen.
Mit dem 18. Geburtstag erhält das Kind die volle Verfügung über das Depot. Es kann dann frei entscheiden, ob es das Geld für die Ausbildung nutzt, weiter anlegt oder für eine Weltreise ausgibt.
Steuern: Der große Vorteil des Kinderdepots
Kinder sind eigenständige Steuerpflichtige. Daraus ergeben sich zwei Vorteile:
- Eigener Sparerpauschbetrag: Wie jedem Erwachsenen stehen auch deinem Kind 1.000 € Kapitalerträge pro Jahr steuerfrei zu. Dafür richtest du bei der Depotbank einen Freistellungsauftrag auf den Namen des Kindes ein.
- Grundfreibetrag und NV-Bescheinigung: Hat das Kind kaum andere Einkünfte, kann es zusätzlich seinen Grundfreibetrag nutzen. Mit einer NV-Bescheinigung (Nichtveranlagungsbescheinigung) vom Finanzamt verzichtet die Bank dann auf den Steuerabzug. Kapitalerträge bleiben so oft auch über den Sparerpauschbetrag hinaus steuerfrei.
Mehr zu Sparerpauschbetrag, Teilfreistellung und Vorabpauschale erklärt der Ratgeber Steuern beim Investieren.
Schenkungsteuer
Für die meisten Familien ist die Schenkungsteuer kein Thema. Jeder Elternteil kann seinem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 € steuerfrei schenken. Für Großeltern und andere Verwandte gelten eigene, niedrigere Freibeträge. Bei größeren Summen lohnt sich ein Blick in die Regeln oder eine Beratung.
Mögliche Nebenwirkungen: BAföG und Familienversicherung
Ein Vermögen auf den Namen des Kindes kann sich an anderer Stelle auswirken:
- BAföG: Bei der Berechnung wird eigenes Vermögen des Kindes oberhalb bestimmter Freibeträge angerechnet. Ein gut gefülltes Kinderdepot kann den Anspruch deshalb mindern oder ausschließen.
- Familienversicherung: Die beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung hängt davon ab, dass das Kind kein Einkommen über einer bestimmten Grenze hat. Auch Kapitalerträge können dabei eine Rolle spielen.
Bei kleineren Depots ist das meist unproblematisch. Je größer das Vermögen wird, desto eher lohnt es sich, die aktuellen Grenzen zu prüfen.
Anlagestrategie: Zeit ist der wichtigste Faktor
Für ein Kind sind die Voraussetzungen oft ideal: Der Anlagehorizont reicht über viele Jahre, und zwischenzeitliche Kursrückgänge können sich bis zur Volljährigkeit wieder erholen – eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Bewährt haben sich einfache Lösungen:
- Ein breit gestreuter Welt-ETF als Basis, bespart über einen Sparplan
- Niedrige Kosten, weil über 18 Jahre jedes Zehntelprozent zählt
- Regelmäßige Überprüfung, etwa einmal im Jahr, ohne hektisches Umschichten
Wie du Rate und Rhythmus wählst, erklärt der Ratgeber zur Sparplan-Strategie.
| Annahme: Sparplan von Geburt bis zum 18. Geburtstag | Betrag |
|---|---|
| Monatliche Rate | 50 € |
| Eingezahlt nach 18 Jahren | 10.800 € |
| Endwert bei angenommenen 5 % Rendite p. a. (vor Kosten und Steuern) | ca. 17.300 € |
Die 5 % sind eine Annahme, keine Prognose. Eigene Szenarien kannst du mit dem Sparplan-Rechner durchspielen.
Wird das Geld zu einem festen Zeitpunkt gebraucht, etwa für den Studienbeginn, kann es sinnvoll sein, einige Jahre vorher schrittweise einen Teil in schwankungsärmere Anlagen umzuschichten. So hängt der Betrag nicht vom Börsenkurs in einem einzigen Monat ab.
Worauf du bei der Anbieterwahl achten solltest
Viele Broker bieten Kinderdepots ohne Depotgebühr an. Achte trotzdem auf folgende Punkte:
- Kosten für Sparpläne: Gerade bei kleinen Raten fallen feste Ausführungsgebühren stark ins Gewicht.
- ETF-Auswahl: Ist der gewünschte ETF sparplanfähig?
- Online-Eröffnung: Lässt sich das Depot vollständig online eröffnen, oder sind Formulare per Post nötig?
- Übergang mit 18: Wie wird das Depot bei Volljährigkeit umgestellt, und fallen dann Gebühren an?
Anbieter mit Kinderdepot und ihre Konditionen findest du im Broker-Vergleich.
Fazit
Ein Kinderdepot ist ein steuerlich attraktiver Weg, langfristig für dein Kind vorzusorgen. Das Kind nutzt seinen eigenen Sparerpauschbetrag und mit NV-Bescheinigung oft auch seinen Grundfreibetrag. Dafür gibst du die Kontrolle ab: Das Geld gehört dem Kind, und ab 18 entscheidet es allein darüber.
Wer flexibel bleiben will, kann stattdessen im eigenen Depot sparen und später schenken. Unabhängig von der Variante gilt: früh anfangen, breit streuen, auf niedrige Kosten achten – und das Kind nach und nach in die Entscheidungen einbeziehen.
Begriffe aus diesem Artikel
- Depot (Wertpapierdepot)
- Konto bei einer Bank oder einem Broker, in dem deine Wertpapiere verwahrt und verwaltet werden.
- Sparplan
- Regelmäßige, automatische Investition eines festen Betrags in ETFs, Fonds, Aktien oder Kryptowährungen.
- Sparerpauschbetrag
- Jährlicher Freibetrag für Kapitalerträge: 1.000 € für Ledige, 2.000 € für zusammenveranlagte Paare.
- NV-Bescheinigung (Nichtveranlagungsbescheinigung)
- Bescheinigung des Finanzamts, mit der Kapitalerträge vollständig ohne Steuerabzug ausgezahlt werden.
- Freistellungsauftrag
- Auftrag an deine Bank, Kapitalerträge bis zu einem festgelegten Betrag ohne Steuerabzug auszuzahlen.
- ETF (Exchange Traded Fund)
- Börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Index möglichst genau nachbildet.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.