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So vergleichen wir
Strategie

Tagesgeld: Neukundenzins, Dauerzins und was am Ende übrig bleibt

Hohe Neukundenzinsen gelten oft nur für wenige Monate. So rechnest du aus, was ein Tagesgeld-Angebot im ganzen Jahr bringt, worauf du in den Bedingungen achtest und wann sich ein Wechsel lohnt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Neukundenzins gilt meist nur einige Monate und oft nur bis zu einem Höchstbetrag – entscheidend ist der Ertrag übers ganze Jahr.
  • Ein dauerhaft ordentlicher Zins kann am Ende mehr bringen als eine kurze Aktion mit niedrigem Anschlusszins.
  • Regelmäßiges Wechseln lohnt sich vor allem bei größeren Beträgen. Rechne Aufwand, Steuern und Einlagensicherung ehrlich mit ein.

„Bis zu 3,5 % Zinsen!“ – mit solchen Zahlen werben Banken um neue Tagesgeld-Kundschaft. Im Kleingedruckten steht dann, für wie lange der Satz gilt und für wie viel Geld. Nach der Aktion fällt der Zins oft deutlich. Wer nur auf die große Zahl schaut, vergleicht deshalb leicht Äpfel mit Birnen.

In diesem Ratgeber rechnen wir durch, wie du Aktionszinsen und dauerhafte Zinsen fair vergleichst. Danach geht es darum, worauf du in den Bedingungen achten solltest und wann sich ein Wechsel tatsächlich lohnt.

So funktionieren Neukundenaktionen

Ein Neukundenzins ist ein erhöhter Zinssatz für eine begrenzte Zeit. Typisch sind drei bis zwölf Monate. Er gilt nur für Kundinnen und Kunden, die in einem bestimmten Zeitraum vorher kein Konto bei der Bank hatten. Häufig ist er außerdem auf einen Höchstbetrag begrenzt. Nach Ablauf der Aktion gilt der normale Zins, den auch Bestandskunden bekommen. Er heißt oft Dauer- oder Bestandskundenzins.

Wichtig ist auch, ob der Aktionszins garantiert ist. Manche Banken sichern den Satz für die Aktionsdauer fest zu. Bei anderen ist auch der Aktionszins variabel und kann sich ändern, etwa wenn die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen senkt.

Rechenbeispiel: Aktion gegen Dauerzins

Zwei Angebote für 10.000 € über zwölf Monate:

  • Angebot A: 3,5 % für vier Monate, danach 1,0 %
  • Angebot B: 2,0 % dauerhaft
Angebot A Angebot B
Monate 1 bis 4 116,67 € 66,67 €
Monate 5 bis 12 66,67 € 133,33 €
Zinsen im ersten Jahr 183,33 € 200,00 €
Entspricht pro Jahr 1,83 % 2,00 %

Die Rechnung ist vereinfacht und lässt den Zinseszins innerhalb des Jahres weg. Trotz der deutlich höheren Werbezahl bringt Angebot A im ersten Jahr weniger. Das ändert sich nur, wenn du nach vier Monaten zu einem neuen Angebot wechselst. Dazu gleich mehr.

Diese Rechnung übernimmt der Tagesgeld-Vergleich für dich: Du stellst deinen Betrag ein und siehst für jedes Angebot den Zinsertrag der ersten zwölf Monate, also erst den Aktionszins und danach den Dauerzins. Mit „Neukundenzins einrechnen“ schaltest du die Aktionen an oder aus. Der Filter „Gleicher Zins für alle“ zeigt nur Angebote ohne Unterschied zwischen neuen und bestehenden Kunden.

Zinshopping: Wann sich ein Wechsel lohnt

Wer nach jeder Aktion zur nächsten Bank zieht, kann über das Jahr mehr Zinsen mitnehmen. Dieses sogenannte Zinshopping hat aber einen Preis: Zeit und Aufmerksamkeit. Ob es sich lohnt, hängt vor allem vom Betrag ab.

Bevor du wechselst, solltest du diese Punkte bedenken:

  • Kontoeröffnung: Jedes neue Konto braucht eine Identifizierung, etwa per Video oder Online-Ausweis, und ein Referenzkonto.
  • Freistellungsauftrag: Die Zinsen bleiben nur steuerfrei, wenn dein Sparerpauschbetrag auf die richtigen Banken verteilt ist. Bei mehreren Konten musst du ihn neu aufteilen.
  • Überblick: Mit jedem Konto wächst die Zahl der Zugänge, Unterlagen und Steuerbescheinigungen.
  • Einlagensicherung: Prüfe bei jeder neuen Bank, in welchem Land sie sitzt und welche Sicherung gilt. Mehr dazu im Ratgeber Tagesgeld bei Banken im EU-Ausland.

Worauf du bei Angeboten achten solltest

Ein Blick in die Konditionen klärt die wichtigsten Punkte:

  1. Dauerzins: Welcher Zins gilt nach der Aktion? Er bestimmt, was langfristig übrig bleibt.
  2. Dauer und Garantie der Aktion: Wie lange gilt der Aktionszins, und ist er für diese Zeit fest zugesagt?
  3. Höchstbetrag: Bis zu welcher Summe gibt es den erhöhten Zins?
  4. Wer gilt als Neukunde? Viele Banken schließen Kundinnen und Kunden aus, die in den letzten Monaten schon ein Konto hatten.
  5. Bedingungen: Ist das Tagesgeld an ein Girokonto, ein Depot oder einen Gehaltseingang gekoppelt?
  6. Zinsgutschrift: Monatlich, vierteljährlich oder jährlich? Häufigere Gutschriften bringen durch den Zinseszins etwas mehr.
  7. Einlagensicherung: Sitzt die Bank in Deutschland oder in einem anderen EU-Land?

Tagesgeld und Inflation

Zinsen sind nur die halbe Wahrheit. Steigen die Preise schneller, als dein Guthaben wächst, verliert dein Geld trotz Zinsen an Kaufkraft. Fachleute sprechen dann von einem negativen Realzins. Wie stark die Inflation über die Jahre wirkt, zeigt der Inflationsrechner.

Tagesgeld ist deshalb vor allem ein Platz für Geld, das sicher und jederzeit verfügbar sein soll: für den Notgroschen und für Anschaffungen der nächsten Jahre. Für den langfristigen Vermögensaufbau kommen eher breit gestreute Anlagen wie ETFs infrage. Dafür musst du allerdings Schwankungen aushalten.

Fazit

Ein hoher Neukundenzins ist ein gutes Angebot, wenn du die Bedingungen kennst und mitrechnest. Entscheidend ist, was im ganzen Jahr zusammenkommt. Dafür zählen Dauer, Höchstbetrag und der Zins danach. Ein Angebot mit solidem Dauerzins kann am Ende vorn liegen, ganz ohne Kalender und Kontowechsel.

Wer größere Beträge anlegt und den Aufwand nicht scheut, kann mit gezielten Wechseln mehr herausholen. Für alle anderen ist ein Konto mit dauerhaft ordentlichem Zins die entspanntere Lösung.

Häufige Fragen

Gilt der Neukundenzins auch für Bestandskunden?

Meist nicht. Viele Banken bieten den erhöhten Zins nur Kundinnen und Kunden an, die in einem bestimmten Zeitraum vorher kein Konto bei ihnen hatten. Wie dieser Zeitraum genau aussieht, steht in den Aktionsbedingungen.

Kann die Bank den Zins während der Aktion senken?

Das hängt davon ab, ob der Aktionszins garantiert ist. Ist er nur variabel zugesagt, kann die Bank ihn wie den normalen Tagesgeldzins anpassen. Steht eine Zinsgarantie in den Bedingungen, gilt der Satz für den genannten Zeitraum.

Wie viel Geld gehört aufs Tagesgeldkonto?

Häufig genannt wird ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben, dazu Geld für größere Anschaffungen der nächsten Jahre. Was darüber hinausgeht und lange nicht gebraucht wird, kann langfristig angelegt werden, etwa in breit gestreute ETFs.

Begriffe aus diesem Artikel

Einlagensicherung
Gesetzlicher Schutz von Bankguthaben bis 100.000 € pro Kunde und Bank, falls eine Bank in der EU insolvent wird.
Zinseszins
Effekt, bei dem Erträge wieder angelegt werden und in den Folgejahren selbst Erträge abwerfen.
Inflation
Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, durch den die Kaufkraft des Geldes sinkt.
Freistellungsauftrag
Auftrag an deine Bank, Kapitalerträge bis zu einem festgelegten Betrag ohne Steuerabzug auszuzahlen.
Sparerpauschbetrag
Jährlicher Freibetrag für Kapitalerträge: 1.000 € für Ledige, 2.000 € für zusammenveranlagte Paare.
Abgeltungsteuer
Pauschale Steuer von 25 % auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne, zuzüglich Solidaritätszuschlag.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.